Kapelle – vor sechzig Jahren war das die Bezeichnung für ein kleineres Musikensemble. Die „OJB-Synkopiker“ waren eine Schülerkapelle der Theodor-Mommsen-Schule, die in den 1950er Jahren bei offiziellen Anlässen auftrat. Die Brüder Rolf-Rüdiger und Jürgen Reichardt, TMS-Schüler und „OJB-Synkopiker“, spielten Klarinette und Trompete. Sie erinnern sich gern an ein besonderes Erlebnis, das sie für das Tageblatt aufgeschrieben haben.

 

In der Kreisstadt gab es damals alljährlich den sehr renommierten „Bauernball“ im Oldesloer Hof. 1958 wollte der Kreisbauernverband anlässlich seines zehnjährigen Bestehens Besonderes bieten. Man gewann die Tanzbesetzung „Günter Fuhlisch und seine Solisten“ aus dem „Rundfunktanzorchester des NWDR“ (ab 1956: NDR). Das populäre Orchester war für vier Stunden verpflichtet worden und begeisterte bis Mitternacht die Ballgäste mit seinen exzellenten Solisten. Neben dem Posaunisten und Orchesterleiter Günter Fuhlisch waren dies der Trompeter Werner Gutterer, Saxophonisten des Willi-Surmann-Saxtetts, der virtuose Gitarrist Ladi Geisler – und der Bassist Hans Last, bereits mehrfach ausgezeichnet als bester deutscher Jazzbassist, der später als James Last Weltruhm erlangen sollte.

Um Mitternacht sollte der Ball im Oldesloer Hof natürlich noch nicht zu Ende sein. So hatte der Geschäftsführer des Bauernverbandes eine im Kreis sehr erfolgreiche Schülerband verpflichtet: die OJB-Synkopiker.

 

Die Gymnasiasten der Theodor-Mommsen-Schule sollten ab Mitternacht zum Tanz aufspielen. Die aus dem „Oldesloer Jugendbund“ hervorgegangenen Kapelle „OJB-Synkopiker“ spielten regelmäßig im Kreis Stormarn bei den „Coca-Cola-Bällen“. Das war ein beliebtes sonntägliches Tanzvergnügen für Schüler und Jugendliche, von 17 bis 20 Uhr - und ganz ohne alkoholische Getränke.

Nach dem großartigen Auftritt der Spitzenmusiker des NWDR-Rundfunkorchesters zu spielen, war eine besondere Herausforderung, und entsprechend beklommen betraten die jungen Nachwuchsmusiker die Bühne. Um den Wechsel rasch zu vollziehen, war vereinbart, mit dem Auftritt unmittelbar nach dem Finale von Günter Fuhlisch und seinen Solisten zu starten. Während die nervösen Schüler versuchten, mit ihren besten Stücken nicht zu sehr im Vergleich mit den Profis abzufallen, packten die Hamburger Solisten in Ruhe ihre Instrumente ein und gingen erst einmal ins Restaurant zum Essen. Jedes Stück der Solisten war in professionell arrangiertem Satz gespielt worden. Die Schülerband dagegen improvisierte, über Einsätze oder Soli verständigte man sich durch Zeichen.

Die ersten der NWDR- Solisten kamen vom Essen zurück, hörten den Amateuren zu und packten weiter ein. Bassist Hans Last griff, wie zum Abschied, als erster zu seinem Instrument, begleitete die Jungen, erst dezent, dann immer stärker. Schon saß der Pianist am Flügel, der Schlagzeuger fügte sich ein. Plötzlich klangen die Stücke ganz anders. Schnell kamen weitere Solisten dazu, und bald waren bis zu zwölf Musiker auf der Bühne. Sie hatten an dieser Art der Tanzmusik offensichtlich Freude, übertrafen sich zusehends mit Soli, Scherzen und Einlagen, spornten die Synkopiker so zu ungeahnten Leistungen an. Die Solisten kannten alle Stücke, improvisierten, bereicherten den Klang, passten sich aber den Amateuren an. Mehrstimmig zeigten sie ihre Freude an Evergreens, sangen in ausgelassener Heiterkeit mit, improvisierten mit originellen Rhythmuseinlagen. Die Gäste im Saal waren begeistert.

Bassist Hans Last lief zu besonderer Hochform auf, schwenkte den Kontrabass wie eine Gitarre in der Luft, drehte mit dem riesigen Instrument Pirouetten, bespielte unter brausendem Applaus den Bass rittlings. Runden von Korn und Bier landeten auf der Bühne und heizten die Stimmung und Spielfreude weiter an.

So wurde der Ausflug von „Günter Fuhlisch und seinen Solisten“ nach Bad Oldesloe für alle Musiker zu einem großen Spaß und für die OJB-Synkopiker zu einem unvergesslichen Erlebnis.

– Quelle: https://www.shz.de/20675112 ©2021

Danke an Gerd Manzel für die Übermittlunbg des Zeitungsausschnittes

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